Fridays For Future im Libanon

28. September 2019 Gedruckt, Web

Kein Recycling-System, verstopfte Straßen, Strom aus fossilen Brennstoffen. Im Libanon gibt es viel zu tun, um die Umwelt und das Klima zu schützen. Trotzdem unterstützen nur wenige Menschen die Proteste. Warum ist das so?

Ike Arzoumanen läuft an der Strandpromenade in Beirut vorbei an Palmen, zu ihrer Linken das Mittelmeer. Ike ist wütend und damit nicht alleine: „Was wollen wir?“ ruft sie, „Klima-Gerechtigkeit!“ schreien ihr die Streikenden entgegen. „Wann wollen wir sie?“ „Jetzt!“

Am 20. September streikten in Beirut etwa 100 Jugendliche für eine nachhaltige Politik, am Freitag kamen mehr als 200. Ihre Wut haben sie kreativ auf Plakate gebracht: „Beirut on Fire“, „Ich möchte einen heißen Freund, keine heiße Erde“, „Es ist so schlimm, sogar die Introvertierten sind hier“.

„Wacht auf!“, ruft die Schülerin Ike Arzoumanen. Sie selbst lebt vegan, reist wenig, recycelt und versucht, Nachbarn, Familie und Freund*innen zum Recyceln anzuregen. Ihre Eltern seien noch skeptisch. „Sie wollten mich erst nicht zum Protest lassen, aus Angst, es sei zu gefährlich.“ Hinter ihr hupt ein Autofahrer. Ältere Männer halten am Straßenrand mit ihren Handys auf das Geschehen, filmen.

Während in Europa tausende Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gehen, ist die Bewegung im Libanon klein. Dabei trifft der Klimawandel die Länder des Mittelmeerraums schneller als im globalen Trend. Gerade im Libanon gäbe es außerdem viel zu ändern: Der Müll lagert unbehandelt auf Deponien am Mittelmeer. Täglich gibt es geplante Stromausfälle, kompensiert mit privaten Generatoren und fossilen Brennstoffen. Politiker machen Geld im Öl- und Gassektor. In Beirut sind die Straßen voll und SUVs im Trend. Warum schließen sich nicht mehr Libanes*innen der Klimastreik-Bewegung an?

Der Artikel ist in der taz erschienen.