Neoliberaler Bau-Kapitalismus in Beirut

20. März 2018 Feature, Hörfunk

Nada Dallal schwärmt von dem über 100 Jahre alten Haus, in dem sie früher wohnte. Das Haus stand in Tariq El Jedideh, einem Viertel im Süden Beiruts. „Es war ein großes, altmodisches Haus mit einer dreieinhalb Meter hohen Decke und maßgeschneiderten Bodenfliesen in bunten Farben, grün und gelb und weiß. Und es hatte diesen typischen Rundbogen am Eingang.“ Nach zwanzig Jahren musste sie das Haus verlassen. Der Grund: Anstatt das Haus zu renovieren, verkaufte der Besitzer an einen Investor. Und die Mieterin Nada Dallal musste raus.

Wie Nada Dallal geht es derzeit vielen in der libanesischen Hauptstadt. Immer mehr Luxustürme aus Beton und Glas schießen in die Höhe, weil Vermieter ihr Land an Immobilienfirmen verkaufen. Die lassen dann die Wohnungen räumen, bauen neue Häuser und treiben so auch die Mietpreise in die Höhe.

Ohne Mietpreispolitik wird die Miete in der libanesischen Hauptstadt immer teurer. Dabei gab es in Beirut mal eine Mietobergrenze, die der Staat in den 1940er Jahren durchgesetzt hat. Doch die neoliberale Politik der Nachkriegsjahre erlaubte es nicht, dass der Staat sich in den Mietmarkt einmischt.

1994 startete Bauunternehmer, Millionär und Ministerpräsident Rafiq Hariri den Wiederaufbau Beiruts. Er hatte eine Vision: Beirut sollte Hauptstadt mit Weltklasse werden. Hariri gründete ein Unternehmen namens „Solidaire“, kaufte massenweise Grundstücke und startete den Bau einer auf Hochglanz polierten Innenstadt.

Bis zum Anschlag: Rafiq Hariri fuhr am 14. Februar 2005 mit seinem Fahrzeugkonvoi auf der Küstenstraße von Beirut als eine Bombe explodierte. Er und 22 weitere Menschen starben. Sein neoliberaler Bau-Kapitalismus lebte weiter. Bis heute agiert die Stadt in diesem Geiste. Auch die Wohnungspolitik im Libanon ist geprägt von neoliberalen Ideen.

Die ganze Reportage gibt es beim Deutschlandfunk Kultur zu hören.